Interview mit Rahan-Zeichner Chéret


A. CHÉRET, ein lebendiger Klassiker

Jean Paul TIBERI

Cheret wird am 27.6.1937 im 2ten Pariser Arrondissement geboren. Sein Vater, ein „Fort des Halles“ (Arbeiter in den ehemaligen Pariser Grossmarkthallen) ist Sonntagsmaler und der zehnjährige Andre beendet ein Bild, dass sein Vater auf dem Sterbebett hinterlassen hatte.

Joker: Andre, du hast schon in der Schule angefangen zu zeichnen?
CHÉRET: Ja, die ersten Zeichnungen fertigte ich auf meiner Tafel für meine Lehrerin, meistens Heuwagen, in Erinnerung an die Zeit auf Land, wo ich während des Krieges evakuiert war. Auch den weiteren Schulweg schaffte ich vor allem auf Grund meiner Begabung fürs Zeichnen, die meine Schwächen in anderen Fächern oft ausglich.

Joker: Welche Comics hast du gelesen? Was hat dich beeinflusst?
CHÉRET: Ich bin kein grosser Leser. Ich kannte Hogarth’s Tarzan und schätzte ihn wegen der Stärke, die seine Figuren ausdrückten. Auch den Dynamismus in den Zeichnungen Pellos‘ bewunderte ich sehr.

Joker: Was hast du gemacht, bevor du zum Comic kamst?
CHÉRET: Ein Nachbar von uns arbeitete in einer Druckerei und verschaffte mir einen Job an einer Druckmaschine, aber die Dämpfe der Farben und chemischen Produkte dort machten mich krank, so dass ich mich nach etwas anderem umsah. In unserer Nachbarschaft gab es ein Studio, in dem Plakate für Kino und Konzerte gemalt wurden. Ich stellte mich vor und wurde nach einer Probezeit angestellt. Ich erinnere mich, ein fünfzehn Meter hohes Plakat von Fernandel erstellt zu haben und mehrere Plakate für Yves Montand, den ich auch persönlich kennen lernte.

Joker: Während der Militärzeit hattest du ziemliches Glück?
CHÉRET: Ja, ich lernte jemanden kennen, der Illustratoren für die Militärzeitung „Revue des Forces Francaises“ suchte und verbrachte meine gesamte Dienstzeit in Baden-Baden, übrigens zusammen mit Pierre Koernig und Jean Giraud.

Joker: Wie ging es danach weiter?
CHÉRET: Wir hatten schon während des Dienstes nebenher für die Edition Fleurus gearbeitet und ich begriff, dass die gemalten Plakate bald durch gedruckte ersetzt werden würden und entschied mich deswegen für die Comics! Ich hatte Glück und konnte Comicserien nach Fernsehserien gestalten unter anderem einen schönen Vidocq. 1962 konnte ich dann die Fliegerserie „Bob Mallard“ übernehmen, die ich über mehrere Jahre zeichnete.

Joker: Kommen wir zu Rahan.
CHÉRET: 1968 lebte ich in einem Caravan im Süden Frankreichs und wollte etwas anderes machen, als die moderne mechanisierte Welt des Fliegens. Das Ergebnis war Rahan, der in der ersten Nummer des neuen Magazins Pif Gadget startete und sofort ein so grosser Erfolg war, daß der Redakteur mich bat, in Zukunft nur noch Rahan zu zeichnen. Seitdem hat er bei wechselnden Verlagen immer wieder neue Auflagen erlebt.

Joker: Du hast auch einmal mit Jean-Michel Charlier zusammen gearbeitet?
CHÉRET: Ja, aber es wurde nur ein Album daraus. „Michel Brazier“ entstand nach einer Fernsehserie und war ziemlich brutal, was mir übrigens einige Vorwürfe eingetragen hat.

Joker: Seit 2004 ist eine neue Heldin namens Ly-Nook“ dazu gekommen?
CHÉRET: Ja, ich wollte die Lebensumstände der Frauen zu dieser Zeit näher beleuchten und mit den in unserer Zeit vergleichen und nach allem, was man hört scheint die Serie recht gut zu laufen.

Joker: Wie sieht die Zukunft aus?
CHÉRET: Für Juni 2006 ist ein neues Album von Rahan geplant und für 2007 ein Realfilm, ein Zeichentrickfilm und ein Spiel. Was den Sohn des Crao angeht so ist ein Ende noch lange nicht abzusehen.


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Cover Ly-Noock

Cover Ly-Noock

Von links: Chéret (Rahan wie wir wissen), Burne Hogarth (Tarzan), Hugo Pratt (Corto Maltese) und Richard Medioni (Chef der Yps-Vorlage Pif)


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